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Kleinschreibung


 

„kleinschreibung“ gab es eine Zeitlang auf Deutschlands Fernschreibern, weil deren Papier-Lochstreifen eine 5-Bit-Verschlüsselung nur 30 (+30) Zeichen zuließen; da war kein Platz für zwei Sorten Buchstaben: Die Geräte (von Siemens und Schaub-Lorenz) hatten nur Kleinbuchstaben oder nur Großbuchstaben.

„kleinschreibung“ gibt es immer wieder von einigen Werbegrafikern, die sich für modern halten.

„kleinschreibung“ geistert immer wieder durch die Wunschträume der Rechtschreibreformer, beim alt gewordenen Konrad Duden 1908, beim Leipziger Lehrerverband 1931 wie auch bei den Innen- und Kultusministern 1958 („Wiesbadener Empfehlungen“).

„kleinschreibung“ ist das Ziel im Schweizer „Bund für vereinfachte rechtschreibung“ (der sich wiederum stolz auf den greisen Konrad Duden beruft).

Zuweilen meinen Menschen, die eine SMS, eine Netzpost (email) oder einen Forum-Beitrag schreiben, daß sie dann mit „kleinschreibung“ eine andere Rechtschreibung als auf einer Postkarte oder in einem Schulheft verwenden kö¶nen.

In der Tat ist es nicht einzusehen, dasßs mit den viel einfacheren elektronischen Medien eine schlechtere Rechtschreibung verwendet wird als beim deutlich aufwendigeren Schreiben auf Papier. Mindestens hat sich durchgesetzt, daß solche kleinliche Kleinschreiberei ebenso als unhöflich und unzweckmäßig abgelehnt und ausgegrenzt wird wie die „GROßSCHREIBEREI“.

„kleinschreibung“ verschlechtert die Lesbarkeit eines Wortlautes. Umgekehrt wird ein Schuh daraus:

Holländern (die von Haus aus gemäßigte Kleinschreibung haben, ähnlich wie im Englischen) hat man mit „deutscher Großschreibung“ ausgerüstete holländische Texte vorgelegt, und siehe da: Die Holländer konnten ihre eigene Sprache leichter und schneller lesen. [*1]

Kleinschreibung ist ebenso unzweckmäßig und unhöflich wie unleserliche Handschrift und Flüchtigkeitsfehler. Manchmal zeugt es einfach nur von Größe, eine Sache möglichst richtig zu machen: das ziert einen Taxifahrer, einen Piloten ebenso wie einen Kraftwerksingenieur und einen Chirurgen und einen Kindergartenerzieher.

Wir gehen ja auch nicht dabei und sagen: Damit die Kinder es beim Messen etwas einfacher haben, sind ab jetzt die Zollstöcke alle nur 1 m lang. Und am Ende etwas ausgefranst, damit die Kinder lernen, daß man nicht so kleinlich sein soll. – Genaue Meßgeräte und genaue Sprache ermöglichen erfolgreiches Arbeiten und das Überleben in der winterkalten Zone nördlich der Alpen.

 

Die Vollgummi-Reform

Bitte erlauben Sie sie mir an dieser Stelle einen Vergleich.

Es könnte jemand argumentieren:

Luftreifen bei Fahrrädern, Autos und Flugzeugen haben den Nachteil,

– daß sie platzen können,

– daß es einen großen Aufwand bedeutet, den Reifendruck zu überwachen,

– daß es in den Werkstätten vielleicht nicht die richtige Luftpumpen gibt und

– daß es beim Aufpumpen zu sehr zischt.

Deshalb gehen wir in einer Fahrzeugreform dazu über, alle Reifen nur noch aus Hartgummi zu machen und auf Luftreifen zu verzichten. Das hat Vorteile:

– Wir sparen Zeit in der Ausbildung der Fahrzeugmechaniker, weil sie auch den mühsamen Reifenwechsel nicht mehr zu lernen brauchen.

– Es gibt keinen Plattfuß mehr.

– Komplizierte Ventile werden nicht mehr gebraucht.

– Teure Luftpumpen und Druckluftanlagen in den Werkstätten sind nicht mehr nötig.

– Unzählige Räder von Kinderwagen und Einkaufswagen beweisen, daß es auch ohne Luft geht.

– Daran, daß die Fahrzeuge dann etwas mehr holpern, wird man sich nach einer kurzen Übergangszeit gewöhnen.

Nun zurück im Vergleich:

So ähnlich viel Intelligenz hat auch die von Konrad Duden, den Kultusministern und Innenministern, dem Bund für vereinfachtes schreiben und dem Leipziger Lehrerverband aufgestellte [*2] Forderung, man sollte auf die Großschreibung zugunsten einer Kleinschreibung verzichten, wobei es die Vorteile gibt:

– Zeit in der Rechtschreibausbildung wird eingespart.

– Es gibt weniger Fehler, weil eine bedeutsame Fehlerquelle entfällt.

– Deutschlehrer und Schüler können in der gewonnenen Zeit andere Dinge lernen.

– An die Kleinschreibung werden die Leser sich nach einer Übergangszeit gewöhnen, zumal auch Dänemark 1948 die Umstellung auf Kleinschreibung geschafft hat.

Keine Wissenschaftslehre

An dieser Stelle zeigt sich eine große Schwachstelle: Fast alle unsere Lehrer und Ministerialbeamte sind Akademiker mit Hochschulausbildung, aber sie haben in ihrer Ausbildung keine Wissenschaftslehre gehabt, weil es an unseren Hochschulen keine Wissenschaftslehre gibt. Die Unterscheidung, was richtig und was falsch ist, wurde weder auf dem Gymnasium in der Mittelstufe noch in den Anfangssemestern des Studiums unterrichtet: Es gibt dies Fach Wissenschaftslehre nicht.

Im praktischen Alltag und auch im wissenschaftlichen Lehrbetrieb bedeutet das: Als richtig gilt, wofür es am wenigsten Mecker gibt, insbesondere seitens der Geldgeber, Brötchengeber, Zensurengeber, Zeugnisgeber, Presseschreiber. Innere Widersprüche hingegen – oftmals an entscheidenden Stellen – zählen nicht als Hinderungsgrund. Aus vielfältigen Bereichen unserer Welt gibt es Klagen über Korruption.

Die Christian-Albrechts-Universität in Kiel hatte bis 1997 einen Lehrstuhl für Logik und Wissenschaftslehre; und von 1991 bis 1998 gab es ein Institut für Logik. Inzwischen gibt es noch eine Arbeitsgruppe für Logik. Von Wissenschaftslehre ist nichts mehr verzeichnet.[*3]

Piloten, Fluglotsen, Mathematiker

Es gibt lediglich zwei Berufsgruppen, die in ihrem Beruf eine durchgehende Richtigkeitsüberprüfung eingebaut haben:

– die Piloten samt Fluglotsen und Technikern   und

– die Mathematiker.

Die Mathematiker trennen derart sauber zwischen richtiger Aussage und Widerspruch, daß sie mit der Verneinung eines Widerspruches eine wahre, belastungsfähige Aussage erfolgreich beweisen können.

Bei den Piloten gibt es ein sehr zuverlässiges Überprüfungsverfahren; denn ein schlechter Pilot ist vor allem eines: tot. Die Physik und die Schwerkraft entscheiden darüber, ob die Flugsicherungsmaßnahmen wirkungsvoll waren.
Im Ergebnis sind die Flugsicherheitsleute überaus erfolgreich: Langstreckenflieger haben sich seit Jahrzehnten zum sichersten Verkehrsmittel weltweit entwickelt, sicherer als Bus und Bahn.

In den anderen Berufen sieht es finster aus: Physiker, Techniker, Juristen, Mediziner, Wirtschaftsleute, Politiker mühen sich, erfolgreich und berühmt zu werden, machen aber Fehler über Fehler (für Richter wird geschätzt, daß jedes vierte Urteil falsch sei).

Aussagenlogik

Mit Aussagenlogik und der zu ihr isomorphen Schaltlogik sind Bill Gates und Steve Jobs zwar zu den weltweit reichsten und mächtigsten Männern geworden, aber Logik wird unserem akademischen Nachwuchs größtenteils nicht unterrichtet.

 

 

–––––

[*1]

de.wikipedia.org/wiki/Kleinschreibung

[*2]

gutes-deutsch.de/Geschichte, 1908, 1931, 1958 ...

[*3] http://www.gelehrtenverzeichnis.de/institute/bb3beb6a-88f9-4a37-9341-56b0ca68214b?lang=de

https://www.math.uni-kiel.de/logik/de/arbeitsgruppe-logik/zur-geschichte-der-logik-in-kiel

https://www.math.uni-kiel.de/logik/de